Die IGFM hilft den Familien von IS-Überlebenden nachhaltig durch Ausbildungsförderung von 50 bis 200 Euro pro Monat zum Handwerker oder bis zum Studienabschluss sowie mit Starthilfen.
Wardiya , Erbil, Irak
Jetzt spenden
oder einen der vorausgewählten Spendenbeträge verwenden:
Im Juni 2018 berichteten wir über Dalia, zehn Jahre alt, und ihre sechsjährige Schwester Rhalia, die am 3. August 2014 mit ihrer schwangeren Mutter vom Islamischen Staat (IS) entführt worden waren. Die zwei Mädchen wurden in einer Tombola von IS-Kämpfern ersteigert und verschleppt. Vier Jahre später wurden sie aus den Händen der Terrororganisation befreit. Ihre Mutter blieb verschollen. Die IGFM hält seit 2018 über ihren Nahost-Referenten Khalil Al-Rasho Kontakt zu der Familie, unterstützte die Kinder mit Traumatherapien und förderte ihre Schulausbildung.
Heute, acht Jahre nach der ersten Begegnung im Lager Shekhan, ist Dalia erwachsen, verheiratet und hat sich mit ihrem Mann Khader im wiederaufgebauten Jesidendorf Al-Wardiya niedergelassen. Doch der Neuanfang ist schwer: Khader hatte erfolgreich ein Studium der Betriebswirtschaft abgeschlossen und hoffte auf die von der Bildungsbehörde zugesagte Stelle als Lehrer, wenn er zuvor zwei Jahre für geringes Entgelt als Honorarkraft arbeitet. Er war voller Vorfreude auf diese Stelle, die ihm 400.000 irakische Dinar (rund 240 Euro) monatlich eingebracht hätte, genug, um eine Familie zu ernähren. Und er brauchte nach einer schweren Operation von Dalia, die alles Ersparte aufgezehrt hatte, dringend eine bezahlte Arbeit. Doch die Bildungsbehörde überging ihn: Die Einstellungslisten waren manipuliert, die Jobs gingen fast ausschließlich an Personen mit engen Verbindungen zu einflussreichen Clans oder politischen Gruppierungen.
Khaders Schicksal ist im Shingal-Gebiet exemplarisch; die Benachteiligung ruft Wut und Enttäuschung bei der gesamten Bevölkerung in der Region hervor. Es gibt weder die von der Zentralregierung in Bagdad versprochenen finanziellen Entschädigungen für die Opfer des IS noch echte Unterstützung beim Wiederaufbau oder der Schaffung von Arbeitsplätzen. Shingal bleibt auch zwölf Jahre nach dem Massaker an den Jesiden ein Schauplatz politischer Machtkämpfe, die unschuldigen Überlebenden zahlen bis heute den Preis dafür. Die IGFM hilft den „Neusiedlern“ nachhaltig durch Ausbildungsförderung von 50 bis 200 Euro pro Monat zum Handwerker oder bis zum Studienabschluss sowie mit Starthilfen. Und wir lassen sie auch in schwieriger Situation nicht allein.
Die IGFM ist eine Menschenrechtsorganisation, die 1972 gegründet wurde. Sie unterstützt Menschen, die sich gewaltlos für die Verwirklichung der Menschenrechte in ihren Ländern einsetzen oder die verfolgt werden, weil sie ihre Rechte einfordern.